Bitterstoffe & Bitteres Kraut des Monats: Das Tausendgüldenkraut

Das Tausendgüldenkraut zählt zu den sogenannten „Amara pura“, also zu den reinen Bitterstoffen. Anders als der Löwenzahn, den wir Ihnen im März-Artikel unseres Blogs näher vorgestellt haben, ist das sogenannte Bitter- oder Magenkraut eine recht unscheinbare Pflanze auf moorigen Wiesen. Charakteristisch für das kleine Enziangewächs sind seine eigenartig anmutende steife Wuchsform und die vereinzelten Blüten, die aus der grünlichen Masse der Blätter als rötliche Punkte deutlich hervortreten.

Der klingende Name Tausendgüldenkraut gründet auf einer Sage, nach der ein wohlhabender Ehrenmann demjenigen im Volke 1000 Gulden versprochen haben soll, der ihm ein heilendes Mittel gegen sein Fieber nennen würde. Man nannte ihm das Fieberkraut, wie es im Volksmund damals noch hieß, und schon hatte die Pflanze einen neuen Namen. Dass das Tausendgüldenkraut unter Kräuterkundigen bis in die Neuzeit hinein als „1000 Gulden wert“ beschrieben wurde, hängt vor allem mit dem breiten Anwendungsspektrum der Bitterpflanze zusammen.

Wo und wie wirkt’s?

Während sich das Tausendgüldenkraut zu Zeiten von Paracelsus, Hildegard von Bingen und Hieronymus Bock bei der Heilung von Fieberzuständen, Gelbsucht oder Knochenbrüchen großer Beliebtheit erfreute, gebraucht man es heutzutage in der Hauptsache zur Verdauungsförderung.

Das Bitter-Elixier nach Apotheker Greiff beinhaltet Tausendgüldenkraut und verbessert die Enzymausschüttung der Pankreas, der Leber und der Galle.
Das Bitter-Elixier nach Apotheker Greiff beinhaltet Tausendgüldenkraut und verbessert die Enzymausschüttung der Pankreas, der Leber und der Galle.

Die bitteren Pflanzeninhalte bringen alle Verdauungssäfte in’s Fließen. Essen wir bitter, läuft uns – im wahrsten Sinne des Wortes – schon im Mund das Wasser zusammen, die Magensaft- und Gallenflussproduktion wird angeregt und die Drüsen im gesamten Darm arbeiten auf Hochtouren. Ganz nebenbei wird die Bauchspeicheldrüse auch noch in der Produktion von Verdauungsenzymen unterstützt. Die im Tausendgüldenkraut enthaltenen „Amara“ beschleunigen die Verdauung und sorgen darüber hinaus für eine effektivere Nahrungsverwertung. Weil die Eisenaufnahme im Dünndarm in besonderem Maße gesteigert wird, ist der Einsatz von Bitterstoffen – neben homöopathischen oder schulmedizinischen Eisengaben – auch bei Blutarmut sehr beliebt.

Zudem unterstützt das „Geheimnis der Leber“ – wie Paracelsus das Tausendgüldenkraut in seinen Aufzeichnungen charakterisierte – bis heute dabei, die Leber während oder nach Viruserkrankungen zu entlasten und Erschöpfungszuständen vorzubeugen.

Kein Wunder also, dass sich das Tausendgüldenkraut neben Kräuterlikören und Magenelixieren auch in zahlreichen Teemischungen wiederfindet.

Ein Teerezept besonderer Natur …

Dieser Tausendgüldenkraut-Tee wird nicht überbrüht oder aufgekocht: Man gibt abends einen Teelöffel Kraut in einen viertel Liter kaltes Wasser und lässt es über Nacht ziehen. Erst nach dem Abseihen wird der Tee leicht erwärmt und getrunken.

Zwei Tassen täglich sind ausreichend und können bei Sodbrennen, Appetitmangel oder Gallensteinen unterstützen.

Kleines Detail am Rande …

Zusammen mit dem Gelben Enzian gehört das Tausendgüldenkraut zu den bittersten Pflanzen Europas. Die Blüten erreichen einen Bitterwert von etwa 12 000. Das bedeutet, dass ein wässriger Auszug aus dem Kraut den bitteren Geschmack noch in einer Verdünnung von 1:12000 zeigt. Das Süßen des Tees ist also sinnlos, der bittere Geschmack wird bleiben. Für die positiven Effekte, die der Tausendsassa Tausendgüldenkraut auf unser körperliches und seelisches Wohlbefinden haben kann, nimmt man das aber doch gerne in Kauf!